Verockerung der Spree

Mit dem Stichwort „Verockerung der Spree“ wird ein Phänomen beschrieben, bei dem hohe Konzentrationen an Eisenhydroxid die Spree und die im Einzugsbereich der Spree liegenden Fließgewässer verfärben, zu Schlammablagerungen führen und die aquatische Lebenswelt beeinflussen.

Bei der Ursachenermittlung müssen zwei Betrachtungsräume unterschieden werden.

  • Der Südraum umfasst in Brandenburg den Bereich der Spree von der sächsischen Landesgrenze bis zur Talsperre Spremberg. Hier ist der Hauptverursacher im Sanierungsbergbau der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) auf sächsischem Gebiet zu sehen. Die Talsperre Spremberg fungiert im Südraum gegenwärtig als Barriere und großes Absetz- und Auffangbecken.
  • Im Nordraum mit den südlichen Zuflüssen zur Spree sind die Ursachen ebenfalls im Sanierungsbergbau der LMBV – überwiegend der ehemaligen Tagebaugebiete Schlabendorf, Seese, Greifenhain und Gräbendorf - zu erkennen. Erschwerend kommen hier die geologische Hintergrundbelastung mit Raseneisenerzablagerungen, ehemals entwässerte Moorstandorte und durch die Landwirtschaft geschaffene Meliorationsgebiete hinzu. Hier kommt es neben den bestimmbaren Ableitungen aus den Tagebaurestseen zu vielen diffusen Einträgen des sogenannten Eisenockers in die Fließe.

Das Problemfeld der Verockerung der Spree und der Fließgewässer ist mit dem in den letzten Jahren verstärkt zu beobachtenden Wiederanstieg des Grundwassers im Lausitzer Braunkohlerevier verbunden. Bereits seit 2003 hat sich die Landesregierung dem Problem gewidmet und erste Gutachten zu Auswirkungen des Grundwasserwiederanstiegs auf die Fließgewässer veranlasst und u. a. den Arbeitskreis „Wasserbeschaffenheit“ und die Arbeitsgruppe „Flussbewirtschaftung Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße“ ins Leben gerufen.

Darüber hinaus arbeiten die Wasser- und Bergbehörden der Länder Brandenburg, Sachsen und Berlin sowie die beiden Bergbauunternehmen LMBV und Vattenfall Europe Mining AG an diesem Thema eng zusammen.

Die verstärkt seit 2011/2012 zu beobachtende Braunfärbung der Spree und der angrenzenden Fließgewässer kann - sofern es nicht gelingt, eine Betroffenheit der Spreewaldfließe zu verhindern - insbesondere Auswirkungen auf die touristische Nutzung des Biosphärenresservats Spreewald haben.

Im Jahr 2013 wurde durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) ein 10-Punkte-Plan für Gefahrenabwehrmaßnahmen im Bereich der südlichen Zuflüsse zum Spreewald erarbeitet. Von diesen zehn Sofortmaßnahmen im Nordraum wurden inzwischen bereits sieben durch die LMBV umgesetzt. Dies sind u.a. die Schlammberäumung und Instandsetzung von Durchlässen an der Wudritz und im Greifenhainer Fließ, die Neutralisation des Lichtenauer Sees sowie die Reaktivierung der Grubenwasserreinigungsanlage Vetschau im Bereich des Vetschauer Mühlenfließes und der Wasserbehandlungsanlage Kraftwerk Vetschau am Eichower Fließ. Für die anderen Maßnahmen des 10-Punkte-Planes sind durch die LMBV gegenwärtig Untersuchungen oder Planungen in Auftrag gegeben worden bzw. erfolgen weitere vorbereitende Tätigkeiten.

Neben der Eisenhydroxidverockerung der Spree darf auch das Thema Sulfatbelastung der Fließgewässer nicht vergessen werden. Sulfat im Wasser ist nicht sichtbar, greift aber beispielsweise Beton an. Der derzeitige Grenzwert für die Trinkwassergewinnung liegt bei 250 Milligramm pro Liter. Dieser Wert wird bereits heute an einigen Gütemessstellen erreicht oder sogar überschritten und erst im weiteren Flussverlauf wieder gesenkt. Trinkwasser der Stadt Berlin wird beispielsweise aus dem Uferfiltrat der Spree gewonnen. Auch Wasserfassungen im Land Brandenburg sind von einer erhöhten Sulfatanreicherung im Grundwasser betroffen. Auch für die Sulfatbelastungen der Fließgewässer ist eine wesentliche Ursache bei der Braunkohlegewinnung zu sehen.

letzte Änderung am 11.02.2015

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